Wandertheater Ton und Kirschen

Wandertheater Ton und Kirschen

Wie sich ein Jagdschloss in ein Lustschloss verwandelt

Das Jagdschloss „Zum grünen Wald“, so der ursprüngliche Name der mächtigen Renaissance-Anlage, hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Das Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute Wasserschloss am malerischen Grunewaldsee gehört zu den ältesten von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg (SPSG) betreuten Schlossanlagen in Brandenburg. Zur Bauzeit des Jagdschlosses Grunewald war es nur eines von vielen Jagdschlössern, die der leidenschaftliche Jäger Kurfürst Joachim II. Hector in der Mark Brandenburg errichten ließ. Heute ist das von der Stiftung Preußische Schlösser verwaltete Renaissance-Schloss das einzige noch erhaltene seiner Jagdschlösser. Wie bei vielen Fürstenschlössern der Renaissance, war auch die Bauweise des Jagdschlosses Grunewald in Brandenburg von französischen Vorbildern beeinflusst.

Anders, als bei den Schlössern in Frankreich, wurde jedoch der einst wehrhafte Charakter der vorangegangenen Burgenzeit in der Bauart des Jagdschlosses Grunewald bewahrt. Die idyllisch im Waldgebiet der Teltower Heide gelegene Schlossanlage wurde aber nicht nur für den Aufenthalt mehrtägiger Jagdgesellschaften genutzt, sondern auch als ständiger Wohnsitz der kurfürstlichen Mätresse Anna Sydow. Kurfürst Joachim II. war zwar mit der Tochter des polnischen Königs Sigismund I. verheiratet, diese stürzte aber unglücklicherweise durch den damals morschen Boden des Jagdschlosses Grunewald und verletzte sich dabei so schwer, dass sie nur noch auf Krücken gehen konnte. Erst durch dieses Ereignis ging Joachim II. eine Beziehung mit Anna Sydow ein.

Jahre im Dornröschenschlaf und die museale Wiederbelebung durch die Stiftung Preußische Schlösser

Da die folgenden Kurfürsten von Brandenburg kaum Interesse an der Jagd als Zeitvertreib zeigten, geriet die Bedeutung des Jagdschlosses Grunewald für einige Jahre in Vergessenheit. Obwohl Friedrich der Große, König von Preußen und Markgraf von Brandenburg, das gesamte Jagdzeug des Berliner Jägerhofes in die Räumlichkeiten des Jagdschlosses Grunewald bringen ließ, verfiel die weitläufige Schlossanlage bis Anfang des 19. Jahrhunderts in einen tiefen Dornröschenschlaf. Erst die Söhne Friedrich Wilhelms III. hielten sich wieder öfter in Grunewald auf. Der letzte deutsche Kaiser, Friedrich II. aus dem Haus Hohenzollern, ließ sogar einige Modernisierungsmaßnahmen durchführen, wie den Einbau von Toiletten und Bädern. Nach dem 1. Weltkrieg und dem Ende der Monarchie in Deutschland kamen die Gebäude des Jagdschlosses Grunewald in den Besitz des preußischen Staates. Als Verwalter wurde die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg eingesetzt.

Das Schloss als Jagdmuseum und Filmkulisse

Unter der Obhut der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg wurde das ehemalige Jagdwaffenzeugmagazin des Jagdschlosses Grunewald zu einem der bedeutendsten Waffenmuseen in Brandenburg ausgebaut. Neben der umfangreichen Sammlung historischer Radschlossgewehre, Radschlosspistolen und Handfeuerwaffen aus der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert wird in der von der Stiftung Preußische Schlösser eingerichteten Dauerausstellung im Jagdmuseum des Jagdschlosses Grunewald mit rund 200 Darstellungen von Jagdfesten und Hofjagden auch die Geschichte der höfischen Jagd und der einstigen Jagdgepflogenheiten präsentiert. Außerdem gehören Damwild-, Hirsch-, Rehbock- und Elchtrophäen zur musealen Ausstattung. Mehrmals diente das besondere Ambiente des Jagdschlosses Grunewald als Filmkulisse, wie für den Krimifilm Die blaue Hand, einer Edgar-Wallace-Verfilmung mit Klaus Kinski in der Hauptrolle, für Die Wildgänse 2, für die Kinderserie Schloss Einstein und für die deutsche Telenovela Verliebt in Berlin.

Gemälde-Dauerausstellung und Theater Aufführungen

Aber nicht nur die Waffensammlung des Jagdschlosses Grunewald ist bemerkenswert, sondern auch die größte Gemäldesammlung von Lucas Cranach dem Älteren und seinem Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren in Brandenburg. Fast 50 Meisterwerke von einem der bedeutendsten deutschen Maler, Buchdrucker und Grafiker der Renaissance und seines Sohnes werden durch die Stiftung Preußische Schlösser bewahrt. Lucas Cranach der Ältere war Anfang des 16. Jahrhunderts bis zu seinem Tod der Hofmaler von drei Kurfürsten von Sachsen und wurde vor allem durch seine weltlichen und allegorischen Aktdarstellungen sowie durch seine Portraitmalereien bekannt. Zeitweise arbeitete Cranach auch für den Habsburger Kaiser Maximilian I., für den Kurfürsten Albrecht von Brandenburg und auch für Joachim II., dem Erbauer des Jagdschlosses Grunewald. Sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere führte die künstlerische Familientradition fort. Über die Jahrzehnte wurde die Cranach-Sammlung durch altdeutsche und altniederländische Gemälde des 15. und 16. Jahrhunderts ergänzt. Außerdem konnte der Gemäldebestand nach dem Zweiten Weltkrieg um die Sammlung aus zwei zerstörten Berliner Schlössern der Hohenzollern erweitert werden. Weiters werden in der sogenannten Herrschergalerie im 2. Obergeschoss des Jagdschlosses zahlreiche Portraits brandenburg-preußischer Herrscher und ihrer Familien ausgestellt.

Die Legende vom heiligen Trinker

Schon die kurfürstliche Hofgesellschaft dürfte sich bei den prächtigen Hoffesten an Theater Aufführungen und musikalischen Darbietungen erfreut haben. Auch heute noch werden in den Räumlichkeiten des Jagdschlosses Grunewald jedes Wochenende Theater Aufführungen, Kabaretts und Konzerte auf die Bühne gebracht. Am Samstag, dem 18. September 2021 lädt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg sowie das Wandertheater Ton und Kirschen zur Theater Aufführung Die Legende vom heiligen Trinker ein. In der vom österreichischen Journalisten und Schriftsteller Joseph Rot im Jahr 1939 verfassten Novelle, die er kurz vor seinem Tod fertigstellen konnte, verarbeitet der Autor seine eigene Alkoholsucht. In melancholischer Abgeklärtheit schildert Joseph Rot den inneren Kampf eines unverbesserlichen Gewohnheitstrinkers, der mit einem plötzlichen Geldsegen konfrontiert wird. Die Legende vom heiligen Trinker ist eine Geschichte voller Wunder und persönlicher Konflikte, die erstmals 2011 im Theater Basel aufgeführt und nun von der Stiftung Preußische Schlösser in das Jagdschloss Grunwald gebracht wird. Neben mehreren Hörspielen gibt es von der Legende vom heiligen Trinker auch zwei Verfilmungen vom deutschen Regisseur Franz Josef Wild und vom italienischen Regisseur Ermanno Olmi.

Ein ganz besonderes Theater: Das Wandertheater Ton und Kirschen

Im Jahr 1992 fand sich eine engagierte Gruppe an Schauspielern aus Deutschland, England, Italien, Frankreich und Kolumbien zusammen, die ein eigenes Theater eröffnen wollten. Aber es sollte kein herkömmliches Theater mit festem Spielplatz sein, sondern ein ortsunabhängiges. Das Wandertheater Ton und Kirschen war geboren. Seitdem schwärmt die außergewöhnliche Theater Gruppe von ihrem Hauptsitz in Werder an der Havel in alle Himmelsrichtungen aus. Nicht nur historische Orte, Dorfplätze und Äcker in Brandenburg werden vom derzeit neunköpfigen Ensemble bespielt, sondern auch besondere Plätze in anderen europäischen Ländern und auf anderen Kontinenten. Nicht umsonst wurde das Theater bereits mehrfach mit Theaterpreisen ausgezeichnet, darunter der Theaterpreis der Berliner Akademie der Künste, der Theaterpreis Bouchon d’Or in Frankreich und der Preis des Internationalen Kontakt Theater Festivals in Polen. Die Stiftung Preußische Schlösser ermöglicht es Theater Begeisterten am Samstag, dem 11. September 2021, in der historischen Kulisse des Jagdschlosses Grunewald die von Joseph Rot in vier Monaten geschriebene und vom Wandertheater Ton und Kirschen auf die Bühne gebrachte Legende vom heiligen Trinker zu sehen. Im Eintrittspreis von 18 Euro (ermäßigt 15 Euro) ist eine Schlossbesichtigung inklusive.